Über mich

Dienstag, 15. Mai 2012

22 Tage, 17 Bahnhöfe, 10 Städte, 3 Länder, ein Zugticket – Jana und Carolin auf Achse durch Frankeich und Umgebung



Aufregend, abenteuerlich, spannend, beeindruckend, anstrengend, chaotisch, ereignisreich und vor allen Dingen zu kurz! So kann man unsere Ferien wohl sehr passend beschreiben! Sonne, Wind, Regen, Wolken, Gewitter – alles war dabei! Da ich so viel zu berichten habe, werde ich meine Erzählungen etwas aufteilen müssen, bitte entschuldigt das. Aber ich fange jetzt schon mal an!

Die Vorbereitung

Wie schon erwähnt war unser Ziel in den Ferien die französische Atlantikküste, die wir mit dem Interrail-Zugticket abfahren wollten. 3 Tage vor Abfahrt stand auch unser Reiseplan, erst hoch in den Norden in die Bretagne, dann langsam gen Süden und später zurück in die Provence. 2 Tage vor Abfahrt sah das alles allerdings schon ganz anders aus, Grund: der Wetterbericht! Für die Bretagne waren 2°C und Dauerregen angesagt! Das hatten wir uns so nicht gedacht, aber wir wollten es trotzdem durchziehen. Meine Gastfamilie zeigte mir den Vogel und sagte, dass nicht einmal sie im April in die Bretagne fahren würden. Im Kindergarten wünschte uns alle viel Mut und Durchhaltevermögen, die Direktorin meinte nur, sie will aber nicht, dass wir mit Lungenentzündung zurück kommen. Das alles schüchterte uns dann doch etwas ein, am Tag vor der Abreise schmissen wir dann panisch alle Pläne über den Haufen. Unser Interrailticket gilt in ganz Europa, also schauten wir uns im Internet das Wetter in ganz Europa an. Valencia, Spanien, 25°C. Brest, Frankreich, 3°C. Die Entscheidung fiel uns dann nicht mehr schwer, wir suchten schnell im Internet nach einer guten Zugverbindung Richtung Süden und schrieben uns die Telefonnummer von einem Campingplatz auf.
Am Freitagabend kam Jana dann zu mir, wir packten zusammen unsere Rucksäcke und waren beide ziemlich aufgeregt, weswegen wir auch ziemlich spät erst in den Betten waren.

Erste Station: Hola España!

20kg auf dem Rücken, das kann ja was werden...
Viel zu früh weckte uns dann auch der Wecker: um 4:30 waren wir schon auf den Beinen, wuchteten unsere viel zu schweren Rucksäcke ins Auto und brausten durch die Nacht. Aus Angst um unsere geliebte Hilde wollten wir sie nicht in Avignon zwei Wochen stehen lassen (hier haben letztens auch schon Autos gebrannt), wir parkten sie deshalb in einem kleinen Dorf, von wo aus wir dann den Bus nach Avignon nahmen. In Avignon warteten wir dann ungeduldig bis unser Zug nach Portbou aufgerufen wurde, und stiegen ein. Vier Stunden lang fuhren wir am Mittelmeer entlang bis zur spanischen Grenze – viel bekamen wir allerdings nicht mit, da wir die meiste Zeit verschliefen. 

Mahlzeit!
In der ersten Stadt hinter der Grenze mussten wir umsteigen, weiter ging es mit einer spanischen Zuckelbahn nach Barcelona. Bei den sommerlichen Temperaturen die uns dort erwarteten bekamen wir glatt Lust, da zu bleiben und uns in der wunderschönen Stadt die Füße zu vertreten, aber auf uns wartete der nächste Anschlusszug, der uns endlich an unser Ziel brachte: Valencia! Ziemlich kaputt kamen wir am Bahnhof an, die 27°C und knallende Sonne munterten uns allerdings ein wenig auf. Es war 19 Uhr, wir waren endlich angekommen!  
Wir riefen sofort den Campingplatz an, doch keiner nahm ab. Was nun? Wir fragten uns ein wenig durch (zum Glück kann Jana ein wenig Spanisch) und fuhren dann mit dem Bus zum Campingplatz, wo wir auch sofort in Empfang genommen wurden und uns ein Stellplatz zugewiesen wurde. Dort bauten wir dann gleich Pauls knallrotes Zweimannzelt auf, im Vorgarten davon gab es Brot mit Ziegenkäse als Abendessen und – hopp – schlüpften wir in den Schlafsack und sagten „Buenas noches!“
Die Nacht war dann doch nicht so erholsam wie erwartet, der Campingplatz war direkt neben einer Hauptstraße, die anderen Mitcamper waren irgendwie laut, und der Untergrund war ohne richtige Matratze irgendwie auch ziemlich hart. Außerdem hatte Paul mir seinen super dicken Schlafsack für Minusgrade geliehen (falls wir doch in die Bretagne fahren sollten), doch bei Temperaturen über 20°C war mir dann doch ein wenig warm. Wie auch immer, wir standen auf, machten uns fertig und gingen gleich an den Strand, der kurz um die Ecke war. Wirklich schön war das da nicht, wir blickten auf den Industriehafen Valencias, neben uns eine große Baustelle, wir waren ziemlich weit außerhalb von der Stadt. 
Es wehte zudem ziemlich stark, sodass wir nach einem kurzen Spaziergang beschlossen, in die Innenstadt zu fahren. 
Den ganzen restlichen Tag liefen wir durch die Innenstadt, querbeet von links nach rechts, von Norden nach Süden. Erst als wir in einem schönen Park landeten, legten wir uns unter Orangenbäumen und ruhten uns kurz aus. Doch bald wollten wir weiter, an der Wissenschaftsstadt vorbei und über die Formel1 Strecke ging es hin bis zur schönen Strandpromenade, dem „richtigen“ Strand von Valencia. Dort blieben wir dann auch kurz, doch da wir durch das ganze laufen ziemlich schlapp waren, gingen wir wieder zurück zum Campingplatz, wo es zum Abendessen eine Dose kalte Ravioli gab.
Am nächsten Morgen gingen wir ins Büro des Campingplatzes und nutzen den Computer, um zu überlegen wo es als nächstes hingehen sollte. Von Valencia hatten wir genug gesehen. Sevilla? Lissabon? Beides war etwas zu weit weg, wir mussten schließlich noch zurück nach Frankreich. Also entschieden wir uns für Madrid, der nächste Zug ging in 2 Stunden. Schnell das Zelt abgebaut und alles im Rucksack verstaut und schon saßen wir im Bus zum Bahnhof. Der Zug nach Madrid kostete uns wieder 10€ für die Reservierung, was uns nicht gerade glücklich stimmte. Doch als wir dann ausstiegen verflog die schlechte Laune sofort! Madrid! 
Das Rathaus
Wo zum Teufel sind wir?!
So groß, so schön, so viel zu sehen! Allerdings wollten wir mit unseren Lasten auf den Rücken erstmal schnell ins Hostel, was wir uns ebenfalls vorher rausgesucht hatten. Dies fanden wir nach Nachfrage dann auch recht gut, wir bezogen die Zimmer, ruhten uns kurz aus und gingen dann gleich wieder los. Wir folgten unserem Instinkt, kamen am Rathaus, am Triumphbogen uns schließlich an einem großen Park vorbei. Dort verliefen wir uns ein wenig, sahen dafür aber viele schöne Sachen: einen See auf dem man Boot fahren konnte (wenn man das nötige Kleingeld dabei hat), einen hübschen Pavillon, einen Rosengarten  und ein Museum. Da wir den Tag über noch nichts außer Keksen und ein bisschen Brot gegessen hatten, setzten wir uns in ein Café und aßen das günstigste was es dort gab: einen Becher Joghurt mit stillem Wasser! Wir spazierten noch ein wenig durch die Straßen, kauften Postkarten und genossen das Leben.  
Zurück im Hostel trafen wir auf eine Kanadierin, mit der wir uns ganz gut auf Englisch unterhielten, dann stellte sich heraus, dass sie aus Montreal kommt und ihre Muttersprache Französisch ist. Trifft sich gut, dachten wir uns, denn englisch sprechen fällt uns inzwischen viel viel schwerer als französisch. Also sprachen wir auf Französisch weiter, doch kaum hatte die Kanadierin 3 Sätze gesagt, bereuten wir es.  In Montreal haben die Leute anscheinend einen sehr merkwürdigen Akzent, sodass wir so gut wie nichts verstanden. (Jana verstand, dass sie eine Rundreise durch Europa machte, ich verstand dass sie morgen nach Mexiko fliegen würde. So viel dazu!) Zum Abendessen gab es Fertig-Tüten-Reis mit Huhn, frisch zubereitet in der Mikrowelle! Nach einer schönen heißen Dusche beschlossen wir, dem Nachtleben Madrids mal auf den Zahn zu fühlen, und gingen noch einmal raus. Wir hatten keine 5 Schritte getan, da sprach uns ein Mann auf der Straße an und fragt, ob wir nicht Lust auf kostenlosen Sangria haben. Klar hatten wir! 
Also gingen wir mit dem Mann mit und fanden uns in einer Minidisko wieder. Wie versprochen gab es für jeden von uns Sangria umsonst, was wir natürlich ausnutzen! Ein paar (kostenlose!!) Gläser Sangria später verließen wir den Laden, es war nicht viel los und außerdem wollten wir noch mehr sehen. Wir spazierten also weiter, wurden noch öfters auf kostenlosen Sangria oder Bier eingeladen. Irgendwann wussten wir dann nicht mehr wo wir waren, fanden aber ein „Schinken Museum“, wo es für 1€ Croissants mit Seranoschinken gab. Da schlug ich natürlich gleich zu, wer weiß, wann wieder so ein gutes Angebot kommt! Zurück im Hostel trafen wir in unserem Zimmer auf einen netten Mexikaner, mit dem wir uns nett unterhielten, er ist nach Madrid gekommen um seinen Master für die Uni zu machen. Wir sagten noch einmal „Buenas Noches“ und fielen in die bequemen Betten. Am nächsten Morgen wachten wir rechtzeitig zum Frühstück auf, wo wir auch ziemlich reinhauten, Kräfte für den Tag brauchten wir! Ein paar Kekse, Muffins und Orangen nahmen wir dann noch fürs Mittagessen mit, und schon ging es weiter: Das Hostel bot täglich eine kostenlose Besichtigungstour durch Madrid an, wofür wir uns gleich angemeldet hatten. Die Touristenführerin war Luise, eine Schwedin in unserem Alter die nach Madrid gekommen war, um als Au-pair Mädchen zu arbeiten (hatte nach 3 Monaten dann aber keine Lust mehr drauf gehabt und arbeitet jetzt unter anderem in einer Touristenargentur). Zu viert, es war noch ein Mädchen aus den USA mitgekommen, stiefelten wir 2 Stunden lang durch Madrid, und Luise erzählte und viel über die Geschichte, zeigte uns die wichtigsten Ecken und gab uns viele nützliche Tipps (zum Beispiel wo es die besten und günstigsten Tapas gab). Nach der Tour bot sie uns noch eine Tapas-Tour an, wo wir auch gleich mitmachten. Es ging durch drei Tapas Bars, wir aßen gut, unterhielten uns gut und tranken – natürlich – Sangria. Doch dann waren auch schon die letzten Stunden gezählt, wir besichtigten noch einen künstlich angelegten Regenwald in einem Bahnhof, dann holten wir unsere Rucksäcke aus dem Hostel und machten uns auf dem Weg zum Bahnhof. Dort mussten wir unseren Nachtzug nach Frankreich noch Reservieren – und wären fast in Madrid geblieben. 
Der Mann am Schalter wollte 77€ für die Reservierung, von jedem, natürlich. Wir versuchten auf allen Sprachen denen wir ansatzweise mächtig waren ihm verständlich zu machen, dass wir nicht viel Geld hatten, wenn es darum ging auch auf dem Boden schlafen würden und gar kein Bett bräuchten, dass wir aber auf keinen Fall so viel Geld bezahlen wollten. Wir schilderten etwa 4 Bahnmitarbeitern unser Problem – doch alle versicherten uns das gleiche: der Zug sei schon fast ausgebucht, es blieben eben nur noch die Schlafkojen über. Mist Mist Mist!! 
Eine sehr unangenehme Nacht!
Es half alles nichts, wir mussten den Zug nehmen, sonst würden wir 2 Tage verlieren! Und so waren wir ein paar Minuten später in einem überhitzen, uralten, ungemütlichen Nachtzug, dazu kam ein unhöflicher Schaffner, der uns ganz misstrauisch musterte und auch nur auf Spanisch mit uns reden wollte - außerdem hatten wir dafür knapp 100€ ausgegebn. Wir verzogen uns wütend in unsere Abteil, wo wir noch mit einer Asiatin (die keine andere Sprache außer ihre Muttersprache konnte) und einer Spanierin, die aber immer im Gang am telefonieren war waren. Die Nacht war ziemlich unschön, es war heiß und ich wachte alle paar Stunden auf, weil ich Angst hatte unsere Haltestelle zu verpassen.

So, und was als nächstes auf uns wartete, erzähle ich euch beim nächsten Mal! Ich kann euch sagen, es war nass!

Es ist so viel passiert, und ich möchte am liebsten alles gleich erzählen und berichten, aber da fehlt mir leider die Zeit zu! Das Bisschen freie Zeit was mir verbleibt, verbringe ich mit meiner Gastfamilie. Meine Gasteltern arbeiten viel zurzeit, und so kümmere ich mich sehr viel um Jeanne, was mir wirklich Spaß macht. Wir sind meistens draußen, das Wetter war auch zu schön die letzten Tage: 30°C, Sonne Sonne Sonne und kaum Wind. Letztens bin ich mit Jeanne spazieren gegangen durch die Weinfelder, und da haben wir 3 Kirschbäume entdeckt, deren Kirschen schon ganz dunkelrot sind! Zusammen haben wir dann Krischen gepflückt, uns ins Gras gelegt und sie gleich vernascht. Ansonsten toben wir durch den Garten, pflücken Blumen, schaukeln, spazieren am kleinen Bächlein oder ruhen uns ein wenig aus – der Hund ist natürlich immer mit dabei!
Auch im Kindergarten freut man sich über das tolle Wetter: die Kinder können sich (fast) nackig machen und mit Wasser spielen, was wir ihnen in Eimer füllen. Da werden dann Flüsse gebaut, Steine gewaschen, Blumen gegossen oder einfach nur die Füße drin gebadet.
Wir drei Mädchen können das Wetter allerdings gar nicht so richtig genießen, weil wir im Hinterkopf immer den Gedanken haben, dass es im Sommer noch mal 10°C wärmer wird! In den Mittagspausen setzten wir uns schon immer ins Haus, weil wir die Hitze und die Sonne nicht lange abkönnen, dann kriegen wir von den Einheimischen immer zu hören, dass es doch erst Frühling sei. Eieiei, was das wohl wird im Sommer!

Morgen fahren Jana und ich für 4 Tage ans Meer, nach Cassis. Mal schauen ob das Wasser schon badetauglich und schön warm ist, in Monaco war es das jedenfalls! Dazu aber später mehr! Ab Sonntag werde ich dann bei meinen lieben Großeltern wohnen, ich freue mich schon so, hoffentlich bleibt das Wetter so gut!

Liebe Grüße also aus dem sonnigen, warmen Süden wo die Kirschen und Erdbeeren schon im Mai reif sind!

Carolin

Samstag, 14. April 2012

Reisen, reisen, reisen - und Katzenbabys!


Huch, schon wieder ist ein Monat vergangen! Je näher es dem Ende zugeht, desto schneller rennt die Zeit! Nur noch knappe 3 Monate und ich kehre zurück in die Heimat, Wahnsinn!

So, nun will ich euch aber mal schnell erzählen, was in der letzten Zeit so passiert ist. 

Am letzten Wochenende im März machten Lea und ich zu zweit wieder einen kleinen Ausflug in der Region, ohne Jana.  Die ist nämlich zurzeit ganz fleißig und kümmert sich um ihr Studium, sollte ich vielleicht auch mal machen… 

Unser Ausflugsziel war das etwa 60min entfernte Nyons, was sich nördlich von uns befindet. Es ging durch die Berglandschaft durch viele kleine Dörfchen, vorbei an den weiten Wein- und Olivenbaumfeldern. Nyons ist eine kleine Stadt, und nach ein paar Runden durch die Gassen hatten wir das meiste schon erkundet.


Wir setzten uns in ein kleines Café und aßen Pizza, genossen die Sonne und die Ruhe. Wir bummelten durch ein, zwei kleine Boutiquen und schlenderten dann zurück zu Hilde, mit der wir wieder Richtung Süden fuhren.  Wir hielten in dem Dorf Vaison-La-Romaine an, welches wir schon zweimal aufgesucht hatten. Es war ein schöner Nachmittag, wir kauften uns Schuhe, aßen in einem Café einen riesen Eisbecher und ließen die Seele baumeln. Später fuhren wir zu mir nach Hause, meine Gastfamilie war Skifahren in den Bergen und so hatten wir das Haus für uns alleine. Wir aßen nett zu Abend und dann fuhr Lea auch schon wieder. Am Sonntag morgen gingen wir mit ihren Gastschwestern (8 und 4 Jahre alt) auf den Flohmarkt in Carpentras, wo ich mir für 2€ den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ kaufte, natürlich original französisch! Zusammen mit ihrer Gastfamilie aßen 
wir draußen auf der Terrasse zu Mittag, es gab Bratwürstchen und Kartoffelpürree, zum Nachtisch Apfelkuchen. (Es hat nur der Spinat gefehlt und ich wäre überglücklich gewesen!) Dann fuhr ich wieder nach Hause, ich wollte die freie Zeit ebenfalls nutzen, um in Sachen Studium mal voran zu kommen. Meine Gastfamilie kam dann allerdings früher als geplant zurück und die Ruhe war im Nuh vorbei. Mein einer Gastbruder war dann auch noch krank, ein perfekter Sonntagabend.

Irgendwie muss ich mich bei ihm angesteckt haben, denn am Dienstag darauf hatte ich genau das selbe wie er: ziemlich starke Magenkrämpfe und Übelkeit. Zu allem Unglück war an diesem Dienstag die fête de primtemps, also das Frühlingsfest. Im Garten tanzten wir im Kreis und begrüßten den Frühling, sangen, bastelten Blumenkränze und pflanzten Blumen. Dabei wollte ich doch nichts lieber als mich ins Bett legen, schön warm und ruhig vor mich hinleiden! Aber schön war das Fest trotzdem! Die ganze Woche über wurde es immer wärmer und wärmer, draußen auf der Terrasse in der Mittagspause war es kaum auszuhalten, am Freitag Nachmittag zeigte das Thermometer dann tatsächlich unglaubliche 30°C an!
Tja, und einen Tag später befand ich mich im tiefsten Winter: 2°C und Schneeregen! Unfassbar! Ich war zur Konfirmation meiner kleinen Schwester nach Deutschland gefahren, als Überraschungsgast so zu sagen. Es tat wirklich unglaublich gut, meine liebe Familie, meine zwei doofen Katzen, den Deich, die Elbe und mein Bett zu sehen. Und gleichzeitig tat es überhaupt nicht gut, weil ich 2 Tage später wieder in der Provence saß, und mir all das sehnlichst her wünschte. Was bringen einem schon Olivenbäume, Sonnenschein und 25°C, wenn dein Zuhause weit weg ist, wenn du deine richtige Familie in den Arm nehmen willst, dich aber in deiner Gastfamilie ein Zettel erwartet auf dem steht „Bitte sauge das ganze Haus durch und koche etwas für heute Abend“. Was will ich mit der wunderschönen Berglandschaft, wenn ich doch ins platte Norddeutschland an die Elbe gehöre und der einzige „Berg“ der Deich bei meinen Großeltern gegenüber ist?
Eins habe ich an diesem Wochenende jedenfalls gelernt: Ein Job bei dem man pausenlos herumreist ist überhaupt nichts für mich! Und jetzt freue ich mich noch ein keines Stückchen mehr, wenn ich im August endgültig zurück nach Hause komme.
Aber lange hielt dieses kleine Heimwechen nicht an, denn es stand die nächste große Reise vor der Tür! Über die Osterfeiertage waren wir nämlich im wunderschönen Montpellier!

Die Reise begann Samstagmorgen um 8Uhr, am Bahnhof in Avignon trafen wir auf unsere Mitfahrgelegenheit nach Montpellier. Eine Stunde Autobahnfahrt und 7€ später waren wir auch schon da! Wir wurden in einem großen Einkaufszentrum abgesetzt, wo wir leider erstmal shoppen mussten. 

Dann ging das Abenteuer los: wir kauften uns ein Straßenbahnticket, fuhren in die Innenstadt und stiegen da aus wo es und gefiel. Wir landeten dann gleich am großen Hauptplatz der Stadt, so zu sagen in Herzen. Von dort aus erkundeten wir die Stadt auf eigenen Faust, wir fanden einen Triumphbogen und landeten später in einem schönen Park von Ludwig XIV.

In einem Café ruhten wir uns dann kurz aus, und kurze Zeit später trafen wir dann auf den Jungen, bei dem wir zwei Nächte übernachten würden. Da es das letzte Mal so toll geklappt hatte, hatten wir beschlossen auch in Montpellier eine Couch zu surfen. Wir hatten uns dann für Maxime und seine 4 Mitbewohner entschieden, die in einem großen Haus ziemlich zentral zu wohnen. Alle 4 sind Studenten an der Universität und studieren Kunst und sind genau in unserem Alter. Wir wurden in dem wunderschönen Haus herzlich empfangen, doch lange Zeit um uns kurz auszuruhen blieb nicht, es war eine Feier bei Freunden geplant, zu der wir auch eingeladen waren. Und jetzt beginnt das richtige Abenteuer…  (Mama, ließ ab hier am besten gar nicht weiter!!) 

Da es zu wenige Plätze in den Autos gab, fuhren Soan und Julia (2 der Mitbewohner) mit uns mit der Straßenbahn. Geplant war es, an der Endstation den Bus zu nehmen, denn anscheinend wohnte der Freund ziemlich weit außerhalb. An der Bushaltestelle angekommen, hatten wir den Bus knapp verpasst, und es fuhr kein nächster. Es wurde viel herum telefoniert, dann irgendwann kamen zwei Autos, uns wurde gesagt wir sollen in das vordere einsteigen und ab ging die Fahrt. Wir fuhren also mit zwei unbekannten Männern (immerhin wussten wir die Namen: Theo und Hugo!) zu einer Party in einem uns unbekannten Ort, bei unbekannten Leuten. Da wurde es uns dann doch etwas mulmig, ich Notfall hätten wir ja nicht einmal ein Taxi rufen können, da wir weder wussten wo wir waren noch wo das Haus unserer Couchsurfer ist. Wir waren unseren Couchsurfern also ausgeliefert und konnten nur hoffen, dass nichts Schlimmes passiert, dass sie an uns denken und nicht einfach ohne uns nach Hause fahren. Die Feier war dann eigentlich ganz lustig, wir befanden uns in dem Elternhaus von Nicolas, der ebenfalls Kunst studiert. Es gab Musik, was zu trinken und zu knabbern, und so ließ es sich recht gut ergehen. Ich unterhielt mich sehr gut mit einigen Leuten, ich musste mir natürlich die üblichen Deutschland Klischees von wegen Dirndl und Brezel anhören, aber alles in allem war es total angenehm, sich mal mit gleichaltrigen zu unterhalten. Ich habe gemerkt, dass ich inzwischen schon gut französisch kann und ich zurechtkomme, aber irgendwie ist unser Vokabular dann doch etwas, sagen wir mal, vom Kindergarten geprägt. Wörter wie Windel, Kinderwage, Fläschchen oder Lätzchen bringen dich in einem Gespräch mit Studenten nicht wirklich weiter, so musste ich sehr oft nachfragen, wenn schnell und vor allem in Jugendsprache gesprochen wurde. Denn wie im Deutschen haben auch die Franzosen besondere Wörter, zum Beispiel Kumpel (le pote) statt Freund (le copain). 
Wir hatten irgendwie nicht so viel Platz.
Irgendwann wurden wir dann aber dann doch müde, schließlich waren wir seit 7 Uhr auf den Beinen. Wir fragten unsere Couchsurfer wann wir denn nach Hause führen, zurück kam nur die Auskunft, dass wir wohl hier schlafen würden. Aha, okay. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Hätten wir das geahnt, hätte man ja wenigsten Zahnbürste und Schlafanzug mitnehmen können! Also blieb uns nichts anderes übrig, als Nicolas nach Matratzen und einem Zimmer zum schlafen zu fragen.  Er holte uns dann auch gleich welche, wir klauten uns Decken und gingen dann ins Bett, es war auch bereits 4:30Uhr morgens. Immer wieder steckte jemand den Kopf rein und fragte wo Theo, Simon oder Elias sei, wünschte uns eine gute Nacht und verschwand wieder. Auch die laute Musik von DJ im Wohnzimmer trug nicht gerade dazu bei, dass es eine angenehme Nacht war. Am nächsten Morgen wachten alle nach und nach auf, als ich aus dem Zimmer kam, sah ich Schlaflager in 
Unsere Couchsurfer (v.r.) : Julia, Soan, Capucine, Simon (Maxime hat gefehlt)
der Küche, im Badezimmer und im Flur, anscheinend waren wir nicht die einzigen, die hier übernachtet hatten. Unsere Couchsurfer warteten schon auf uns, zusammen verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zur Bushaltestelle, wo diesmal wirklich ein Bus kam. Was unsere lieben Studenten allerdings nicht bedacht hatten war, dass es ja Sonntag und dazu noch Feiertag war! So saßen wir an der Straßenbahnstelle bestimmt 45min und warteten, bevor wir endlich in der WG ankamen. Inzwischen war es auch schonwieder Mittag, und Simon und Julia kochten, während wir draußen im Garten den Tisch deckten. Es gab Bohnen, Pommes, Ravioli und Couscous – typisches Studentenessen wurde uns erklärt. 

Die 5 WG-Menschen wollten alle Mittagsschlaf halten, doch wir wollten schließlich was von Montpellier sehen! Also wurde uns kurz der Weg zur nächsten Straßenbahn erklärt und schon waren wir wieder verschwunden. In der Innenstadt konnten wir es nicht lassen und fuhren mit der Touri-Dingelbahn durch die Straßen und hörten über Kopfhörer Hintergrundwissen über die Stadt. Danach gönnten wir uns einen Crêpes, wir schlenderten weiter und fanden den wunderschönen botanischen Garten, der aber leider schon zu war. Im Park von Ludwig XIV. (was der genau in Montpellier gemacht hat blieb ungeklärt) legten wir uns ins Gras, beobachteten die schönen männlichen Studenten die Boule spielten und genossen das Leben. 
 
Und so sah die zweite Couchsurfing-Nacht aus!
Als der Abend dämmerte machten wir uns wieder auf den Weg zur WG, wir kochten Nudeln und kuschelten uns aufs riesen Sofa. Julia zeigte uns dann in welchem der 300 Zimmer wir schlafen würden, legte neben das riesige Bett eine Matratze und wünschte eine gute Nacht. So ließen wir den Sonntagabend ruhig ausklingen, wir quatschten ein wenig im Bett, doch irgendwie waren wir noch ziemlich erledigt von der letzten Nacht.

Der Ostermontag begann für uns dementsprechend auch viel zu früh, um 9 waren wir schon wieder in der Stadt, wir wollten schließlich noch was sehen! Da Lea noch ein wenig angeschlagen war von einer Grippe, fuhr sie schon am Mittag mit dem Zug heim, vorher frühstückten wir in einem Café am Place de Comédie. Wir brachten Lea also zum Bahnhof, danach legten Jana und ich uns in den Park gleich um die Ecke, wir aßen Pain au Chocolat, lasen und schrieben Postkarten. Witziger Weise hatten sogar einige Geschäfte auf, sodass wir noch schnell was einkaufen konnten. 

Für den Nachmittag war nämlich ein Ausflug ans Meer geplant, dafür nahmen wir Käse, Baguette, Ananas und Wasser mit. Unseren Couchsurfern brachten wir ebenfalls eine Ananas mit, dazu noch Kekse, als Abschiedsgeschenk so zu sagen. Wir fuhren also zurück zur WG, überreichten die Sachen und setzten uns noch kurz mit ihnen in den Garten, wo wir über Studium, die anstehenden Präsidentschaftswahlen und Zukunftspläne sprachen. In Frankreich ist das mit dem Studium nämlich irgendwie viel einfacher als in Deutschland, jeder der studieren will (und das Abitur hat) bekommt auch einen Platz. NC Werte oder Motivationsschreiben oder gar eine ganze Bewerbungsmappe – sowas kennen die da nicht! Die Qualität des Studiums ist deren Meinung aber auch wieder eine andere Sache, 3 der WG-Leute wollen ihr Studium abbrechen und lieber auswandern. War wirklich sehr interessant mal mit französischen Leuten in unserem Alter über sowas zu sprechen, denn irgendwie sind die Probleme, Sorgen und Wünsche doch überall gleich!

Am frühen Nachmittag machten Jana und ich uns dann doch auf, wir sagten allen Au- revoir und ab gings Richtung Mittelmeer. Da fuhr ebenfalls die Straßenbahn hin, nur ganz zum Schluss mussten wir einen Bus nehmen. Am Strand war es ziemlich windig und frisch, dennoch sahen wir einige Mutige die sich in die Wellen trauten. Wir beließen es dabei, uns das Baguette, den Käse und die Nanas schmecken zu lassen. Bald ging es auch wieder zurück in die Innenstadt, um halb 8 fuhr unsere Mitfahrgelegenheit. Loic nahm uns beide und noch zwei weitere Leute mit, es war eine lustige Fahrt mit netter Unterhaltung, vor allem war sie mit 5€ sehr kostengünstig! In Avignon wartete unsere liebe Hilde auf uns (nach so einem langen Wochenende rechnen wir ja immer damit, dass sie entweder angezündet, ausgeraubt oder einfach gar nicht mehr da steht) und schnell ging es ab nach Hause. Und dann war das lange Wochenende wieder vorbei, ich war um 11 Uhr abends zu Hause, keine 12 Stunden später stand ich mit einer Horde Kindern im Kindergarten und suchte Eier draußen. Mit den Kindern backten wir Brioches und sangen Osterlieder. 

Und dann gab es bei meiner Gastfamilie noch eine kleine Osterüberraschung: die Katze hatte über Nacht 5 kleine Babys zur Welt gebracht! 5 kleine süße Kätzchen, die ich alle am liebsten mit nach Hause nehmen würde! (Angeboten wurde es mir!)

So, und nun bin ich seit Freitagabend wieder in meiner richtigen Gastfamilie eingezogen, Jeanne ist total glücklich dass „ihre“ Carolin wieder da ist, wie sie sagt. Ich muss sagen, ich bin doch ziemlich froh wieder hier zu sein. Die zeit mit den drei Jungs war zwar auch schön, aber bei Jeanne fühle ich mich einfach wohler, und irgendwie gehöre ich hier inzwischen auch richtig zur Familie. Sie haben mir gleich am Abend die Fotos aus der Martinique und von Skifahren gezeigt – echt Wahnsinn! Eine Woche Minusgrade und Schnee, eine Woche später lagen sie bei 30°C am Strand! Verrückt! Aber auch ich habe von meinen Reisen erzählt, wie man in Deutschland so ein großes Fest feiert (Paul hat gefragt: „Na, und in Deutschland hast du ordentlich Wurst, Kartoffeln und Schwarzwälderkirschtorte gegessen und Bier getrunken?“ ) und was ich mit Jana und Lea so unternommen habe. 

Und jetzt geht die Reisezeit erst richtig los! Ab nächstem Wochenende haben wir zwei Wochen Ferien, endlich! Jana und ich werden mit Interrail ein wenig durch Frankreich touren, wir beginnen in der Bretagne und fahren dann die Küste runter bis nach Spanien. Lea kann leider nicht mitkommen, weil ihre Mutter sie besucht. Irgendwie ist das schon nächstes Wochenende, und so wie wir nun mal sind haben wir bisher noch nicht wirklich viel geplant. Herrje, das wird ein Abenteuer! Aber Paul hat mir gleich sein Zelt raus gekramt, er meinte im Notfall sollen wir wenigstens ein Dach über dem Kopf haben. Also falls ich bis nächsten Samstag keinen Laut von mir gebe, wundert euch nicht wenn es danach wieder etwas stiller wird, ich verbringe dann wahrscheinlich meine Nächte am Strand, zwischen irgendwelchen Felsen oder per Couchsurfing bei fremden Leuten. (Klingt beruhigend, oder Mama? Aber immerhin fahren wir mit dem Zug, und nicht mit Mitfahrgelegenheiten!)

Ein bisschen Heimat entdeckt!
Seid gegrüßt ihr Lieben, ich kann euch diesmal leider keine Sonne schicken, die versteckt sich zurzeit nämlich gerne mal! Jede Nacht regnet es, es sind um die 15°C und sonst ist es ziemlich bewölkt. (Sprich es sind weiße Wölkchen am Himmel die ab und zu die Sonne verdecken. Nicht wie in Norddeutschland eine riesige dunkelgraue Wolkendecke…)

A bientôt mes chèries!

Carolin

Mittwoch, 14. März 2012

Ein bisschen Alltag, ein bisschen Abenteuer




Meine Lieben, ich sitze gerade draußen auf der Terrasse, es zwitschern die Vögel, die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos, das Thermometer zeigt 25°C an – es ist Frühling in der Provence! Es ist jetzt die Saison, in der es draußen wärmer ist als drinnen, wurde mir im Kindergarten erklärt. Außerdem sind auf den Straßen auffallend viele Touristen unterwegs, vor allem Holländer! Und die Fahrradfahrer touren wieder durch die Gegend. Lediglich die blühenden Pfirsichbäume stören mich ein wenig, ich bin anscheinend allergisch gegen die Blüten, den ganzen Tag über trieft die Nase und ich habe Angst mit meinem Niesen die Kinder bei ihrem Mittagsschlaf zu stören.

Apropos Kinder, ich wollte euch ja mal berichten, wie so ein Tag bei mir verläuft! Also, ich schildere mal, wie ein typischer Montag bei mir so aussieht.
Mein Montag beginnt (wie jeder Tag der Woche) um halb 8: Jeanne wacht auf, weckt alle auf und es gibt Frühstück: eine Schüssel Tee für jeden, dazu Kekse oder Baguette, wahlweise mit Marmelade oder Honig. Nach dem Essen mache ich den Abwasch, putze mit Jeanne die Zähne und räume alles auf. Gegen 9 verlassen wir – wenn alles gut läuft und Jeanne nicht noch unbedingt alle ihre Puppen anziehen will – das Haus und fahren zum Kindergarten, wo um 9:30 Uhr meine Arbeit beginnt. So gut wie jeden Morgen erwartet mich dann gleich mindestens ein Kind mit Stinkewindel, was gerne gewickelt werden möchte (so stellt man sich doch einen guten Start in den Tag vor, oder?). In unserem kleinen Raum sind wir meistens 5-8 kleine Kinder und 2 Erwachsene, die Kinder spielen, wir erzählen Geschichten, malen, singen oder spielen mit den Kindern. Ich bin allerdings die meiste Zeit mit Windeln wechseln oder Sachen aufräumen beschäftigt, zum richtig spielen komme ich eher selten. Wenn alle Kinderpopos dann sauber sind, gehe ich mit 1-2 Kindern in die Küche und bereite den Teig für das Brot vor, montags ist nämlich unser Backtag. Kleine Anekdote zwischendurch: Einmal habe ich mit einem Kind den Teig vorbereitet, hatte schon alle Zutaten in die Schüssel getan, als eine kleine Kinderhand Blitzschnell das Glas mit dem Salz drin nahm und den gesamten Inhalt in die Schüssel schüttete. Das Brot war danach leider etwas versalzen…

Mit den Kindern gehe ich dann zurück in unseren Raum, zusammen mit den Kindern räumen wir dann auf (im Klartext: Carolin räumt auf, die Kindern werden vergeblich dazu animiert mir zu helfen). Dann geht es mit allen zurück in die Küche, das goûter steht an, also das Frühstück. Die Kinder werden hingesetzt, Streitereien über die Stuhlwahl müssen geschlichtet werden (ein Kind hat sich einmal heulend auf dem Boden gewälzt, weil sein Lieblingsstuhl schon belegt war) und dann werden kleine Brotscheiben mit Marmelade bestrichen, Nüsse und Obst verteilt, umgekippte Becher aufgehoben und Tee nachgeschenkt. Wenn alle satt sind, werden die kleinen Schürzen angezogen und los geht die Bäckerei: jedes Kind bekommt einen kleinen Klumpen Teig und etwas Mehl, damit darf es dann machen was es will (außer essen, aber das verstehen die Kleinen auch nach dem 10. Mal sagen nicht so richtig…) und wir singen die Bäckerei-Lieder. Wenn jedes Kind zufrieden mit seinem Brot ist, werden  mit kleinen Waschlappen die Münder und Hände abgewaschen, danach geht’s ans Eingemachte: Kinder anziehen! Das ist immer mit der stressigste Moment des Tages. In einem kleinen Flur hat jedes Kind einen Haken und ein kleines Fach, wo die Schuhe drin stehen. Leider kommen die Kinder an die Fächer ran, heißt jedes Kind will seine Sachen schon einmal holen, wirft sie durch die Gegend, klaut die Jacke des anderen oder versteckt sie hinter den Vorhängen. Gleichzeitig versuche ich, dem sich sträubenden Kind auf meinem Schoss so schnell wie möglich die Schleifen zu binden, damit die anderen nicht so lange warten müssen, die sich vor Ungeduld gegenseitig anschreien oder schubsen. Kurz gesagt: es herrscht ein riesen Chaos, vor allem, weil oft auch die andere Gruppe gleichzeitig dabei ist, sich fertig zu machen. 20 Kinder, 2 junge deutsche Mädchen die versuchen Ruhe zu bewahren und trotzdem schnell alle anzuziehen. Die Erzieherinnen besprechen derweil oft was im Büro, ziehen sich selbst an oder begleiten die letzten Kinder auf Toilette. Nachdem das letzte Kind das Haus verlassen hat und in den Garten gerannt ist, kann ich zum ersten Mal am Tag kurz durchatmen: Ruhe! 
Doch dann sehe ich den Zustand der Küche: Essen auf dem Boden, Marmeladenflecken auf dem Tisch, Mehl überall verstreut. Also schwinge ich den Lappen, den Besen und den Schwamm, bis die Küche wieder so aussieht wie zuvor. In der Zwischenzeit (es ist zwischen 11:15 und 11: 45 Uhr) ist meistens auch schon das Mittagessen geliefert worden. Der Salat, die Hauptspeise und der Nachtisch müssen aus den großen Platten auf 3 Gruppen verteilt werden, danach bringe ich alles in die jeweilige Küche, bereite die Teller, Becher und Tische vor, lege die Kuscheltiere und Decken in die richtigen Betten und gehen schnell in den Garten. Dort warten schon die müden Kinder auf mich, die Kleinen haben noch einen anderen Rhythmus als die größeren – deswegen muss mittags alles immer ganz schnell gehen, um 12:15 sind spätestens alle Kinder drinnen. Schnell werden die Windeln gewechselt, der Pyjama angezogen und die Hände gewaschen, das ist fast wie Arbeit am Fließband! Das Mittagessen ist auch meistens sehr entspannt, aber gerade montags sind drei „Problemkinder“ da, die auch Mittagsschlaf machen. Problemkind heißt, sie wollen nichts essen, nicht schlafen, weinen und wollen ihre Mama. Irgendwie muss man sie dann doch dazu bringen, etwas zu essen (einem Kind gaukeln wir immer vor, Rote Beete sei Marmelade und der Gemüseauflauf sei Nusskuchen. Klappt hervorragend, meistens). Sobald ein Kind beschlossen hat satt zu sein, wird es meistens von mir in den Schlafraum begleitet und ins Bett gelegt - Tür zu. So leicht funktioniert das leider nicht bei unseren Problemkindern: da muss in den Schlaf gesungen werden, 50x wiederholt werden dass Mama erst NACH dem Mittagsschlaf kommt und versichert werden, dass alle anderen auch schlafen. Und wenn dann das Kind immer noch weint, kommt mir eine Erzieherin zur Hilfe, die  haben irgendwie magische Kräfte und kriegen jedes Kind zum einschlafen. Wenn dann gegen 13 Uhralles schläft, gehe ich zurück in die Küche und räume diese ein zweites Mal auf, was wesentlich länger dauert als am Vormittag, weil jetzt die großen Essensplatten vom Lieferanten gesäubert werden müssen (ist bei Auflauf und Püree eine ganz doofe Angelegenheit!) und die ganzen Essensreste in Dosen und Tüten verpackt werden müssen. Wenn all das fertig ist, die Geschirrspülmaschine läuft und das Wasser für den Tee aufgesetzt ist, kehrt wieder Ruhe ein. 
Pause, endlich! 
Im Winter haben wir die immer oben in einem kleinen Zimmer mit Bett verbracht, jetzt, wo es draußen wärmer wird, setzten wir uns mit einem Tee und Schokolade nach draußen auf die Terrasse und genießen die Sonnenstrahlen. Gerade wenn ich denke, wie schön die Welt doch ist, kommt eine Erzieherin mit einem aufgewachten - und im besten Fall weinendem – Kind und fragt, wessen Pause schon vorbei ist. Mist, am Montag habe ich nur eine Stunde, also Schluss mit Entspannung. Die aufgewachten Kinder müssen erstmal gewickelt bzw. zur Toilette begleitet werden, und der Schlafanzug wird natürlich ausgezogen. Danach werden die Kinder ruhig gehalten, weil sie sonst die anderen aufwecken. Meistens malen wir oder kneten, seit es so schön warm ist gehen wir auch manchmal in den Garten und spielen. Nachmittags sind meine Kleinen mit der mittleren Gruppe (den Elfes) zusammen gelegt, so sind es oft 9 Kinder die im Garten spielen. Ab 15 Uhr muss ich dann allerdings wieder rein, um das zweite goûter, also den Nachmittagssnack, vorzubereiten. Das bekommen wir auch geliefert, meistens ist es Kuchen, Pudding oder Obst, an guten Tagen Crème brûlée oder Mousse au chocolat. Gerade habe ich unbemerkt ein wenig genascht, als schon die ersten Kinder wieder reinkommen, die die Hände gewaschen haben wollen und das Lätzchen umhaben wollen. Das goûter ist meistens ebenfalls sehr ruhig, weil die meisten Kinder gerade erst aufgewacht und somit noch ein wenig müde sind. Wenn alle fertig gegessen haben, gehen sie mit der Erzieherin wieder nach draußen um zu spielen, während ich drinnen alles auf Vordermann bringe. Zum Aufräumen gehört abends auch die Wäsche, die ich überall zusammensammel und dann in der Waschmaschine bei der hoffentlich richtigen Gradanzahl wasche. Alle Mülleimer müssen geleert werden und neu „besackt“ werden, die Betten müssen aufgeräumt werden, die Kuscheltiere in die Richtigen Rücksäcke zurückgetan werden und dann muss der ganze große Saal und alle Spielzeuge aufgeräumt werden. Der Geschirrspüler ist meistens auch ausräum-bereit, die Essensreste vom goûter können auch nicht so liegen bleiben. Während ich also durch das Haus flitze, kommen immer mal wieder Eltern rein, die ihre Kinder abholen und wissen wollen wo sich denn die Hose/der Pulli/der Hausschuh/das Kuscheltier befindet, wie lange das jeweilige Kinde geschlafen hat und wie der Tag so war. Schnell werden noch die Gläser gespült, die Stühle auf den Tisch gestellt und einmal mit dem Besen durchgefegt – FERTIG! Es ist 18 Uhr, Feierabend für heute. 

Jedenfalls für die kurze Autofahrt nach Hause, meistens werde ich von irgendwelchen Eltern mitgenommen, wenn Jeanne früher abgeholt wird. Kaum betrete ich das Grundstück, erwartet mich unser großer Hund Klint, der mich freundlich begrüßt und gerne was zu futtern hätte, genau wie die Katze Toupi. Sobald ich dann zwei Schritte ins Haus gemacht habe, höre ich von irgendwo kreischen „Carolin, endlich ist meine Carolin zu Hause!“ und die kleine Jeanne kommt auf mich zu gerast und umarmt mich stürmisch. Mit Paul und Laure unterhalte ich mich dann kurz über den Tag, bis Jeanne keine Ruhe mehr gibt und ich mit ihr spielen soll. Danach ist es Zeit fürs Bad, was immer so eine Angelegenheit ist. Jeanne will selten freiwillig baden, da muss man immer irgendeinen Trick finden. In letzter Zeit klappte das mit dem Angelwettbewerb ganz gut: „Jeanne, ich geh schonmal vor und fange schon an zu angeln, dann gewinne ich dieses Mal!“ Darauf folgt immer ein energisches „NEIN, ich gewinne!“ und schwuppst rennt sie an mir vorbei. Nach dem Bad, wird dann der Schlafanzug angezogen und weiter gespielt, jede falls spielt Jeanne. Ich decke während dessen den Tisch, bereite das Essen vor (meistens gibt es die Reste vom Mittag, die nochmal warm gemacht werden müssen oder ich koche eine Kleinigekeit) und schneide das Baguette. Dann wird gegessen, wir unterhalten uns über dies und das, danach mache ich den Abwasch (meine Gastfamilie hat keinen Geschirrspüler) und räume alles auf. Jeanne möchte meistens von mir noch eine Geschichte vorgelesen haben, dann falle ich aufs Sofa und gucke ein wenig mit Paul und Laure (Jeanne ist inzwischen im Bett) Nachrichten, und gegen 21 Uhr bin ich dann meistens in meinem Zimmer. Tür zu – wirklicher Feierabend! Abends bin ich meistens zu müde, um irgendwas Großartiges zu machen, selbst zum Lesen bin ich oft zu müde, sodass ich lieber um 22 Uhr schon das Licht ausmache und schlafe.   

So in etwa verläuft jeder Tag der Woche, bis auf den Dienstag  wo ich schon mittags nach Hause komme (den Nachmittag allerdings im Haushalt arbeite) und der Mittwoch, wo der Kindergarten geschlossen ist. Da kümmere ich mich vormittags um Jeanne (wir gehen spazieren, spielen im Garten, malen, basteln etc.) und nachmittags helfe ich meistens Paul draußen, wir sammeln Holz, beladen den Anhänger oder den Lastwagen.
Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich so viel von den Wochenenden erzähle: die Wochen sind Alltag, es passiert nicht viel spannendes, jeder Tag ähnelt dem anderen. Dazu sind die Wochenenden ziemlich wichtig für uns, es ist der einzige Moment der Woche, der kinder- und vor allem arbeitsfrei ist. Die Wochenenden sind schon fast überlebenswichtig für uns, ich glaube wir wären sonst schon total durchgedreht. Wir brauchen einfach diese Zeit für uns, in der es sich nicht um dreckige Windeln, Läuse, Streitereien über Sandschaufeln oder Abwasch dreht und man kein Kindergeschrei zu Ohren bekommt. 

So zog es uns auch dieses Wochenende in die Ferne. Am Samstagmorgen brachen Lea und ich mit Hilde auf(Jana befand sich derzeit in Aix-en-Provence), um das schnuckelige Dorf St. Remy de Provence zu erkunden – angeblich eines der schönsten Dörfer der Region. Wir fuhren etwa 1 ½ Stunden (davon sind mindestens 45min wegen Verfahrerreien draufgegangen. Avignon ist einfach schlecht ausgeschildert, da gibt es Kreiselausfahrten mit „Alle Richtungen“, die nächste heißt dann „Andere Richtungen“, was denn sowas?!) durch die provenzalische Landschaft und parkten dann auf einem kleinen Parkplatz. 
St. Remy de Provence - eine Seitengasse
Kaum zwei Schritte Richtung Dorfmitte gemacht, fühlten wir uns wie in einem Film. Stellt euch den kitschigsten französischen Film vor, den ihr kennt. Genau, mit uralten Autos, kleinen Gassen, bunten Fensterläden, der kleinen Bäckerei, die „Papas Bäckerei“ heißt, an der Ecke, daneben „Tante Célines Boutique“ und „Francois Chocolaterie“. Die Straße gesäumt von den hohen Platanen, auf der Bank in der Sonne sitz ein alter Mann mit Baskenmütze auf dem Kopf und einem frischen Baguette unterm Arm, ein kleines Schild wirbt für die beste Crêperie des Dorfes. 
Leckere Schokolollis aus dem Chocolatier!
Die Sonne scheint, es weht ein kühler Wind die Blätter durch die Gegend. Ja, genauso war es in St. Remy – total kitschig, aber wunderschön. Unser zweites Ziel des Tages war dann Les Baux, was uns von Leas Gastmutter empfohlen worden war. Wir fanden ein kleines Dorf in den Bergen, was sehr mittelalterlich wirkte. Uns gefiel es nicht so, es war sehr touristisch, an allen Ecken konnte man die typische Seife, Postkarten, „Ich liebe die Provence“-T-Shirts oder Lavendelsträuße kaufen. Dazu wehte der Mistral ziemlich stark, sodass wir schnell mit Hilde zurück nach Avignon fuhren, wo wir noch ein wenig shoppen gingen. 

Links? Rechts? Wo sind wir eigentlich?!
Am Sonntag war unser Ausflugsziel schon etwas weiter entfernt: das Mittelmeer, da zieht es uns irgendwie immer mindestens einmal im Monat hin. Mein Gastvater lieh mir seinen großen Frankreichatlas und zeigte mir den besten Weg gen Süden, einmal volltanken – und ab los ging unser Trip. Mit lauter Musik, offenem Fenster und jede Menger guter Laune düsten wir vorbei an Olivenbäumen, Weinfeldern und kleinen Dörfern; wegen der Mautkosten sind wir uns über die Landstraßen Südfrankreichs gesaust. Wir machten ein kleines Picknick auf einem Kreisel im Schatten der Pinien, in einem anderen Dorf hielten wir kurz vor einer Bäckerei und kauften frisches Baguette. Hinter der nächsten Kurve war es dann: das Mittelmeer!
 
Ein Ort der fast so heißt wie ich? Da muss es schön sein!
Wir folgten den Schildern die nach „Carro Strand“ und landeten in einem verträumten Fischerdorf, mit einer wunderschönen kleinen Bucht und einem kleinen Sandstrand. 
Auf den Felsen machten wir es und gemütlich und picknickten – Baguette mit Oliventapenade die wir auf einem Markt gekauft hatten.
 















Wir genossen die Sonne, den Blick auf das türkisblaue Meer und das Gefühl von Freiheit. Zum Glück war das Wasser beim Eintauchen des großen Zehs dann doch ziemlich kalt, so mussten wir uns nicht ärgern, dass wir kein Badezeug mitgenommen hatten. Wir fuhren ein wenig weiter an der Küste entlang und hielten an einem kleinen Hafen, wo wir mit Jana und zwei weiteren deutschen Mädchen verabredet waren. Zusammen spazierten wir durch den Pinienwald am Rande der Küste und ruhten uns in einer weiteren kleinen Bucht kurz aus. Doch dann war es 17 Uhr, Zeit um aufzubrechen um rechtzeitig zum Abendessen zu Hause zu sein. 





Die Straße die wir nahmen hatte für mich als Norddeutsche gefühlte 90°C Steigung und war etwa 3m breit, die Kurven waren so eng dass man fast rangieren musste. Und wer saß am Steuer? Natürlich die Norddeutsche, für die der Deich schon fast ein Gebirge ist. Herrlich! So lernte ich auch mal das Anfahren mit Handbremse, als mir jemand entgegenkam. Der Heimweg war dann eher ruhig, weil wir Mädchen alle ziemlich fertig und erschöpft waren.

An diesem Wochenende hat Hilde gute 500km hinter sich gebracht, der Tank ist auch schon wieder ziemlich leer, was angesichts der Benzinpreise gar nicht so toll ist. Aber egal, wir haben uns gesagt, dass wir uns darum keine Gedanken machen, sonst verlassen wir nie mehr das Haus! Wir hätten all das zwar auch per Bahn und/oder Bus erreichen können, aber so ein kleiner Roadtrip durch die Provence hat doch viel mehr Charme, vor allem mit unserer lieben Hilde, die an allen Ecken klappert, quietscht und vor allem stinkt. Was würden wir ohne unsere alte Dame nur machen…

So, das war‘s auch schonwieder.
Bei meiner alten neuen Gastfamilie bei der ich ja jetzt übergangsweise eingezogen bin läuft alles soweit ganz gut, es tut gut mal zur Abwechslung mit etwas älteren Kindern was zu machen, mit den beiden großen Jungs spiele ich viele Spiele oder klettere draußen im Baum, unterhalte mich mit ihnen über Harry Potter und backe Kuchen. Ich glaube auch, dass die kurze Auszeit auch für meine richtige Gastfamilie wohltuend ist, immer ein blondes, deutsches Mädchen um sich zu haben muss auf die Dauer auch anstrengend sein! Paul hat mir jedenfalls erzählt, dass Jeanne jeden Morgen fragt wo ich bin, wann wir uns endlich wieder sehen  und wo ich schlafe, sie ist ganz besorgt, dass ich draußen schlafen muss. Die kleine Maus ist wirklich zu süß!
 
Also ihr Lieben, ich schicke euch ganz viel Sonne und Wärme aus dem Süden! Meine Sommersprossen spriessen ohne Ende (letztens hat mich ein Kind gefragt, was das für komsiche Punkte auf meiner Nase sind und ob ich krank sei! Die Kinder heutzutage...) und meine Haare werden immer blonder. Ich habe ein wenig Angst vor dem Sommer, da sind meine Haare dann bestimmt weiß und mein Gesicht total braun, weil man nurnoch Sommersprossen sieht!

Kuss und Schluss,

Carolin


P.S: Schaut mal, was ich in Avignon entdeckt habe! :-)

Sonntag, 4. März 2012

Le printemps est arrivé!


Sonne, Strand, Palmen, Mittelmeer, Pain au chocolat und 15°C – so könnte man kurz unser tolles letztes Wochenende im Februar zusammenfassen. Wie ich bereits angekündigt hatte, war das Ziel unseres Wochenendtrips das wunderschöne Nizza an der Côte d’Azur. Um 4:25 klingelte bereits der Wecker und um 5:45 Uhr saßen wir bereits im Zug. Iin Marseille mussten wir einmal umsteigen und dann ging es 3 Stunden an der Küste entlang, so lässt sich zugfahren wirklich aushalten! In Nizza angekommen fühlten wir uns wie im Paradies! Unser erstes Ziel war natürlich gleich der Strand, wo wir uns kurz hinsetzten und den Ausblick genießen mussten. Unglaublich, dass wir sowas keine 4 Stunden von uns entfernt haben! Die Côte d’Azur ist nochmal was ganz anderes als die Provence: statt Weinfelder gibt es hier Palmen, statt Bergen das Mittelmeer und statt den kleinen südländischen Häusern fanden wir riesen Villen und Hotels ohne Ende.

Doch wir hatten eine Verabredung, weswegen wir nicht lange am Strand blieben: Baris, bei dem wir die Nacht verbringen würden, wartete schon auf uns. Baris, 28 Jahre alt wohnt in einer Einzimmerwohnung mit Meerblick in der „Rue de Californie“. Wie wir ihn kennengelernt haben? Per Internet! Bei Couchsurfing, einer Internetseite, melden sich Leute aus aller Welt an, um jemanden für ein paar Tage als Gast aufzunehmen, oder – wie wir es gemacht haben – um bei jemandem zu übernachten. Ich habe mich da also auch angemeldet und für unser Nizza Wochenende nach einer Unterkunft gesucht. Und siehe da – Baris war einverstanden 3 junge Mädchen für eine Nacht zu beherbergen. Er schickte mir seine Adresse und eine Wegbeschreibung - und das Abenteuer begann. Als wir dann vor der Wohnung standen und klingelten, waren wir drei doch ziemlich aufgeregt! Schließlich würden wir das Wochenende mit jemandem verbringen, den wir noch nie gesehen haben und nur aus dem Internet kennen, dazu würden wir bei ihm schlafen! Dann öffnete sich die Tür und uns lächelte ein netter Mann entgegen und hieß uns herzlich willkommen. Wir kauften zusammen Croissants und Pain au chocolat in der Bäckerei nebenan und es gab ein zweites Frühstück auf dem Balkon in der Sonne, mit Ausblick auf das Meer - und alle Sorgen und Ängste die wir vorher hatten verflogen im Nu.
Wir unterhielten uns über alles Mögliche, lachten und hatten Spaß, trotz des großen Altersunterschiedes verstanden wir uns prima. Uns drei zog es dann aber doch irgendwann nach draußen, wir wollten ja schließlich was von Nizza sehen! Zu viert zwängten wir uns in den überfüllten Bus und fuhren Richtung Altstadt, wo die Hölle los war. Es war nämlich Karneval, und alle Welt schien angereist zu sein. Auch wir kämpften uns zu der Straße wo die große Parade stattfinden sollte, und wurden geschockt. Geschockt von den unverschämten Preisen: 35€ Eintritt, 10€ wenn du in letzer Reihe stehen willst und nichts siehst.

 
Dazu wurde rundherum alles mit schwarzen Stellwänden abgedeckt, sodass man von außen wirklich nichts sehen konnte. Das war uns dann doch etwas zu viel des Guten, stattdessen setzten wir uns an den Strand, schauten den Wellen zu und genossen das Leben. Zurück in der Altstadt führte Baris uns ein wenig durch die kleinen Gassen und Straßen, und wir fuhren mit dem Riesenrad. Das war super, ein toller Ausblick über ganz Nizza – so bekamen wir auch ein wenig den Karneval zu sehen. In einer kleinen Bar tranken wir ein paar Gläser Rotwein und abends kochten wir zusammen Türkisches Essen in seiner kleinen Küche. 
Nach unser ersten Couchsurfing Nacht hatten wir Hunger - und wie frühstückt man an einem Sonntagmorgen in Nizza? Natürlich mit Croissants, Orangen und Roséwein am Strand! 



Baden im Mitelmeer im Februar - wir haben es uns nicht getraut...

Etwas später liehen wir uns für wenig Geld Fahrräder aus und erkundeten Nizza auf zwei Rädern, das Mittelmeer immer rechts neben uns, bis wir im Villenviertel landeten. Bei einer kleinen Pizzeria holten wir uns was zu Essen, was wieder am Strand vertilgt wurde. Und dann war unser Wochenende auch schon wieder vorbei, der Zug brachte uns zurück nach Avignon wo unsere Hilde brav auf uns wartete – der Alltag fing uns wieder ein. 
Schaf-Jeanne und Esel-Carolin

Hier ist inzwischen wirklich der Frühling eingekehrt: die dicken Mäntel der Kinder werden durch leichte Jacken ersetzt, Mütze und Schal bleiben zu Hause und nachmittags essen wir mit den Kindern draußen im Garten in der Sonne. 



Letzten Dienstag war Karneval bei uns im Kindergarten, mit dem Motto „Tiere auf dem Bauernhof“. Am Montagabend war bei uns zu Hause dann große Kostümbastelei: Ich ging als Esel und Jeanne als Schaf. Der Tag war ganz lustig, all die Hasen, Katzen, Pferde, Hühner, Schafe und Hunde haben viel gesungen und getanzt. Allerdings mussten wir später natürlich alles wieder aufräumen – Konfetti, Kuchenkrümel und Girlanden überall. 

Und bei mir steht ein Umzug an: meine Gastfamilie ist den ganzen März über nicht zu Hause (2 Wochen in den Bergen zum Skifahren, danach 2 Wochen in der Karibik – Theateraufführungen), und jetzt werde ich Montagabend zu meiner ersten Gastfamilie ziehen und da einen Monat lang bleiben. So wirklich viel Lust darauf habe ich nicht, bei meiner richtigen Gastfamilie habe ich mich so schön eingelebt und fühle mich irgendwie „zu Hause“, und jetzt geht es wieder in eine andere Familie, mit einer anderen Struktur, mit einem anderen Lebensrhythmus – und vor allem: Mit 3 kleinen Jungs! Urlaub wird das ganz bestimmt nicht! Aber nun gut, die Alternative wäre gewesen alleine in dem großen Haus zu bleiben, und das wollte ich auch nicht. (Insgeheim habe ich ja darauf gehofft mit in die Karibik kommen zu können. Aber 2 Wochen Extraurlaub war mir nicht gegönnt…). 
Fürhlingsgefühle mit Hilde

Und gerade sind wir drei bei Lea, deren Gastfamilie auch im Urlaub ist. Wir nutzen dieses Wochenende mal um uns um unser Studium zu kümmern, heißt: Recherchieren, lesen, Notizen machen. Das bei einer Tasse heißem Tee, offenem Fenster und Sonnenschein. So macht das sogar ein wenig Spaß, unter der Woche spät abends hatte ich nie Motivation um mich durch das Chaos der Studienangelegenheiten zu quälen. Gestern haben wir schön Raclette gegessen und waren ein wenig an der frischen Luft spazieren – ein ganz entspanntes Wochenende also, tut auch mal ganz gut. 
Mittagspause in der Sonne

Wir haben übrigens letzten Donnerstag Jubiläum gefeiert: genau 6 Monate sind wir schon in der schönen Provence zu Gast, und es folgen noch 5, dann geht es zurück nach Deutschland. Darauf freue ich mich auch schon ein bisschen, ein Jahr ist doch eine ziemlich lange Zeit ohne Familie und Freunde! Aber wir machen es uns hier noch ganz schön, die nächsten Projekte sind Montpellier, Lyon und in den Osterferien geht es vielleicht an die Atlantikküste! Ich glaube nächstes Mal berichte ich mal mehr von meiner Arbeit im Kindergarten, so klingt das immer als würden wir nur reisen und Freizeit haben – dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Aber gut, dazu dann beim nächsten Mal!

Küsse aus der Sonne,

Carolin